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Zum
50. Todestag
des Kiem Pauli

Am 10.September 2010 ist es nun 50 Jahre her, dass der
Kiem Pauli in Kreuth verstorben ist. Für den Oberlandler Gauverband ein
Bedürfnis und eine Verpflichtung die Verbindungen mit dem Kiem Pauli in
Erinnerung zu rufen.
Sicher gibt es Volkslieder und Volksmusik schon seit langer Zeit, jedoch
hat sich die echte alpenländische Volksmusik, wie wir sie heute kennen, im
Oberland erst langsam am Anfang des 19.Jahrhunderts entwickelt. Maßgeblich
daran beteiligt und bekannt gemacht wurde sie durch den Kiem Pauli zusammen
mit dem Oberlandler Gauverband.
Bereits im Jahr 1902 wurde bei einer Gauversammlung des Oberlandler
Gauverbandes beantragt, "den Gesang zu pflegen ,was allgemein gebilligt
wurde", wie es im damaligen Protokoll heißt. Gesang und Musik gab es auch
dann bei weiteren Versammlungen und ebenso bei der Feier zum 20-jährigen
Bestehen des Oberlandler Gauverbandes am 26.September 1920 in Miesbach. Bei
Gaufest am 18.August 1922 in Bad Tölz gab es nach dem Festzug ein
Preissingen mit Tanz und Gesang. Die Gauchronik berichtet von
Gesangsvorträgen mit Dirndl-Dreigsang, Gesangs-Duo und Gitarren-Duo bei den
Gaufesten in den Jahren 1924 und 1925.
Es war im Jahr 1919, als Kiem Pauli das
bekannte "Raspelwerk", eine Volksliedersammlung von Konrad Mautner geschenkt
bekam.
Der erste intensivere Kontakt mit dem Kiem Pauli und den Trachtlern war beim
Gaufest in Reitrain im Jahr 1926, als der Kiem Pauli beim Festabend zusammen
mit Georg Stöger, Konrad Dreher, Johann Stadler, Prof.Wolfgang Schmied,
Pfarrer Johann Kisslinger und Josef Brunnhuber , "als Musikant und Sammler
unserer altbayerischen Lieder" geehrt wurde. Wie aus einem Zeitungsartikel
von 1930 zu entnehmen ist, hat der damalige Vorstand des Oberlandler
Gauverbandes, Heinrich Stumpf, bei einer Gauausschußsitzuung neben Sepp
Sontheim auch den Kiem Pauli eingeladen, der in einem Vortrag über die
Pflege des Volksgesangs erklärt hat "Die besonderen Hüter unseres
Volksliedes in Sprache und Mundart müssen die Trachtenvereine sein, dann ist
die Weitervererbung für spätere Generationen gesichert".
Bestens bekannt ist natürlich das
Egerner Preissingen am 29. und 30. März 1930 , welches von der Deutschen
Akademie mit Kiem Pauli , Prof. Kurt Huber und der „Deutsche Stunde in
Bayern“ dem Vorläufer des Bayerischen Rundfunks durchgeführt wurde. Von
dieser Zeit an wurde das Zusammenwirken zwischen Kiem Pauli und Oberlandler
Gauverband zur Förderung der alpenländischen Volksmusik immer stärker.
So hielt er bei der Eröffnung der
Volkskunstausstellung der Hirschbergler von Reitrain, die in Tegernsee
stattfand, ein Referat über Volkslied und Volksmusik.
Bei den Hirschbergler wurde er auch zum Ehrenmitglied ernannt.

Der nachfolgende Gauvorstand Hans
Seestaller, setzte sich stark dafür ein, in den Trachtenvereinen die
Volksmusik und das Volkslied zu pflegen. In einem Brief vom 13. Januar 1938
stimmte ihm der Kiem Pauli mit großer Freude zu und machte Vorschläge, wie
das durchgeführt werden könnte. Die beiden Männer regten schließlich das
Volksliedersingen beim Gaufest 1938 in Bad Tölz an, bei dem der Kiem Pauli
alles eingefädelt hat. Maßgeblich beigetragen an der Arbeit zum
Volksliedersammeln hat SKH Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern, der den Pauli in
Wildbad Kreuth aufnahm. Durch sein Sammeln, Herumreisen und Singen wurden
die Leute erst nach und nach mit unserer echten Volksliedern bekannt.
Bedingt durch die folgenden Kriegsjahre ruhten die Aktivitäten, die jedoch
bereits 1946 wieder weitergeführt wurden. Zwischen Kiem Pauli und Hans
Seestaller entstand eine aufrichtige Freundschaft und die beiden
organisierten das erste Jugendsingen am 31.August 1947 im herzoglichen
Sommerkeller und im Steinmetzsaal in Tegernsee. Dieser Tag begann mit einem
Gottesdienst in der Schlosskirche , bei der die Bauermesse von Annette Thoma
von einem Tegernseer Kinderchor gesungen wurde. Die Leitung der
Veranstaltung hatten Hans Seestaller, Sepp Sontheim und Pauli Kiem. Beim
zweiten Jugendsingen im September 1948 in Miesbach waren schon die
Fischbachauer Sängerinnen dabei, die damals noch Fischbachauer Dirndln
hießen.
Seither führt der Oberlandler Gauverband jedes Jahr das Jugendsingen und
Musizieren im Gasthaus Kirchstiegl in Greisbach und im Gasthaus Knabl in
Hauserdörfl bzw. im Neureuther Saal in Gmund durch., woraus schon viele
bekannte Musik- und Gesangsgruppen entstanden sind.
Für seine Verdienste um unser heimatliches Kulturgut und seine Arbeit für
den Oberlandler Gauverband wurde der Kiem Pauli am 12.September 1948 zum
Ehrenmitglied des Gauverbandes ernannt, was beim Gauverband eher eine rare
Sache ist.
Daß die Arbeit für die Volksmusik nicht immer eine Freude war, drückte der
Kiem Pauli in einem Brief an Hans Seestaller aus. Er war tief betrübt über
einige seiner Sängergruppen, die er gefördert hatte, als er sah, dass es oft
nur ums Geldverdienen ging, eine von ihm nicht gewollte Begleiterscheinung.
" so was tut weh ! Wenn ich meine Augen schließe, hinterlasse ich nur noch
Geschäftsleute" schrieb er in seinem Brief.
Leider ist dies auch in der heutigen Zeit oft der Fall. Gott sei Dank, dass
es noch viele Sänger und Musikanten gibt, die nicht nur wegen dem Geld
singen und musizieren.
Zum 50. Todestag wird am Freitag
,10.September um 19.00 Uhr in der Kreuther Leonhardikirche eine Gedenkmesse
abgehalten bei der der Kreuther Kirchenchor zusammen mit den Tölzer Sängern
und der Familienmusik Schulz aus Brunnthal die Messe musikalisch gestalten.
Am Grab singen dann die Tölzer Sänger das Lieblingslied vom Kiem Pauli "
Wahre Fraeundschaft ".
Reiner
Obermüller
Gaupressewart
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